Im aktuellen Inspire #5 wagt Ketchum Pleon einen Blick auf die jungen Wilden auf dem Arbeitsmarkt und stellt sich hierbei die Frage ob die neue Generation perspektivisch sogar die Arbeitswelt verändern kann.

Kennen Sie die Arbeitshasen? Berufstätige, die nach dem Karottenprinzip vorgehen: Sie fangen klein an, arbeiten fleißig, um dann endlich ihre Belohnung in Form einer gut dotierten Position zu erhalten. Ganz anders die sogenannten Millennials. Die Generation der heute 18- bis 33-Jährigen wollen ihre privaten Bedürfnisse nicht zurückstellen, nur um perspektivisch Karriere zu machen, so die Beratungsgesellschaft PwC. Sie hat im April 2013 die bislang größte internationale Studie vorgelegt, die sich mit den Erwartungen der ab 1980 Geborenen beschäftigt. Die Experten haben dafür rund 44.000 Berufstätige befragt – am Rande sei bemerkt: allesamt PwC-Mitarbeiter. Vorläufiges Fazit: Millennials verändern die Arbeitskultur weltweit. Sie setzten Unternehmen immer mehr unter Anpassungsdruck, schreiben die Autoren der Studie.
Und tatsächlich: Die Millennials drängen heute mit aller Wucht auf den Arbeitsmarkt und stellen Unternehmen vermehrt vor Schwierigkeiten. Gerade wenn die Jüngeren auf etablierte Kollegen treffen, sind Reibungen vorprogrammiert. Argumentationsschwach, haltungsarm und mangelnde Tiefgründigkeit – so lauten die Vorwürfe, die den Millennials vielerorts entgegenschallen. Als unflexibel, kontrollsüchtig und wenig führungskompetent empfinden die Jungen hingegen ihre neuen Vorgesetzten. Es ist davon auszugehen, dass das Konfliktpotenzial künftig eher zunimmt. Denn: Bis zum Jahr 2020 werden die Millennials mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung stellen. Höchste Zeit also, dass sich Unternehmen auf Mitarbeiter von morgen einstellen? Oder fremdeln hier wieder nur zwei Generationen miteinander – so wie ihre Vorgänger und deren Vorgänger?
Wer sich genauer mit den Millennials auseinandersetzt, trifft auf eine in ihren Erwartungen gespaltene Zielgruppe. Klar, die Aufgabenstellungen im Job müssen attraktiv und sinnstiftend sein  – aber bitte schön nicht zulasten des Privatlebens gehen. Die Mehrheit der 18- bis 33-Jährigen will sich außerdem nicht langfristig an ein Unternehmen binden; gleichzeitig schließt sie häufige Jobwechsel für sich selbst aus. Die Flexibilität des Brötchengebers wiederum wird als gegeben vorausgesetzt, Home-Office, variable Arbeitszeiten und hohe Frei
heitsgrade inklusive. Aber alles sollte sich dann lieber doch innerhalb geordneter Strukturen bewegen. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Anerkennung und Wertschätzung durch Vorgesetzte. 41 Prozent der Millennials möchten mindestens einmal im Monat gelobt werden, heißt es dazu auch in der PwC-Studie. Überhaupt das Arbeitsklima: Teamwork und Gemeinschaftsgefühl sind Attribute, die ein gutes Unternehmen für Berufseinsteiger auszeichnen.
Wer verändert eigentlich wen?

Ist hier etwa eine Generation der Leistungsverweigerer herangewachsen, mit völlig abwegigen Vorstellungen vom Berufsleben? Wohl kaum. Die Erwartungen spiegeln vielmehr die unbestimmte Lebenssituation junger Menschen wider, die von ökonomischen Zwängen und sozialen Unwägbarkeiten geprägt ist. Praktika, befristete Verträge, Projektarbeit und Freiberuflichkeit – so sieht vielfach die berufliche Realität der Millennials aus. Das macht diese Generation so skeptisch gegenüber Mitarbeitern, die in klassischen Erwerbsbiografien und -modellen groß geworden sind.
Organisationen wären jedoch gut beraten, genauer hinzuhören, was der Nachwuchs ihnen zu sagen hat. Denn es spricht auch vieles für die Millennials: Sie sind bestens ausgebildet, durchaus kompromissbereit, wenn der Gesamtrahmen stimmt, und technisch absolut auf der Höhe der Zeit. So könnten sie – nur ein Beispiel  – als wichtige Treiber für Social Business und die Weiterentwicklung von Unternehmen in Richtung Enterprise 2.0 agieren, wenn man sie denn ließe und ihnen keine Stolpersteine in den Weg legte. Vor allem die ältere Generation hätte auf diesem Gebiet noch sehr viel von den Millennials zu lernen.
Denn nicht zuletzt spielt die nächste Generation eine bedeutsame Rolle, wenn es um die Evolution sozialer Systeme – und nichts anderes sind Unternehmen – geht. Das haben Untersuchungen des niederländischen Generationenforschers Aart C. Bontekoning gezeigt. Danach seien Arbeitnehmer, die nach 1975 geboren sind – also die Vorgänger der Millennials –, zu Beginn ihrer Karrieren zwar mit viel Enthusiasmus und Veränderungsbereitschaft in ihr Berufsleben gestartet. Allerdings konnten sie sich vielfach nicht gegen ihre älteren Kollegen durchsetzen und mussten sich schnell an etablierte Arbeitsweisen anpassen. Darüber haben sie viel Energie verloren  – eineverpasste Chance für Unternehmen, Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsideen für sich zu erschließen.
Eine Generation unter der Lupe
Droht den Millennials ein ähnliches Schicksal wie ihrer Vorgängergeneration? Bontekoning nennt drei Gründe, die dagegen sprechen.
Erstens erhält der heutige Nachwuchs mehr Aufmerksamkeit als alle anderen Generationen vor ihm. Das heißt, etablierte Berufstätige und Führungskräfte wissen inzwischen relativ gut über die Millennials, deren Erwartungen und ihr Potenzial Bescheid. Zweitens seien die Jüngeren heute aufgeschlossener gegenüber älteren Kollegen als noch vor zehn Jahren. Sie akzeptieren Autorität, wenn diese durch Kompetenz belegt ist, und können sich einordnen, ohne an Authentizität zu verlieren. Und drittens sei der Innovationsdruck deutlich gestiegen, sodass viele Unternehmen automatisch auf Impulse der jüngeren Generationen angewiesen sind.
Letztendlich haben es die Unternehmen also selbst in der Hand, ob sie den geeigneten Rahmen für Millennials setzen. Und ganz offen gefragt: Wer würde nicht gern in einem Umfeld arbeiten, das die beschriebenen Erwartungen einlöst? Flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Transparenz über die berufliche Weiterentwicklung, eine angemessene Entlohnung, ein verstärkter, ehrlicher Austausch von Führungskräften mit ihren Mitarbeitern sowie Gemeinschaftsgefühl und Teamgeist – all das sind Eigenschaften, die nicht nur für die Millenials ein attraktives Umfeld ausmachen. Vielleicht ist es an der Zeit, sie bei ihren Zielen zu unterstützen? Auch die Arbeitshasen haben mittlerweile dazugelernt.
Dieser Artikel stammt von Thomas Fischer. Weitere interessante Links zu Studien und Videos zu diesem Thema finden Sie im aktuellen Inspire-Magazin, welches Sie hier oder auf Slideshare einsehen und downloaden können.