Krisenkommunikation ist häufig dann von Nöten, wenn Ereignisse auftreten, die unvorhergesehen und nicht intendiert sind. Doch woher kommen diese Ereignisse eigentlich? Warum passieren Dinge, die wir manchmal noch nicht einmal erahnen können? Ein Gedankenexperiment.

Ein Flugzeugabsturz, ein Tsunami, ein Lebensmittelskandal und vielleicht auch ein Testimonial, das koksenderweise im VIP-Club abgelichtet wird – von Zeit zu Zeit sehen sich Unternehmen mit Ereignissen konfrontiert, die kaum vorhergesehen werden können, aber verheerende Auswirkungen für das Image oder auch das allgemeine Wohlergehen eines Unternehmens haben. In einer Welt, in der Planbarkeit und Kontrolle zu den wichtigsten Credos des wirtschaftlichen Erfolges gehören, passen jene unvorhergesehenen Ereignisse nicht hinein. In einem Zeitalter, in dem (vermeintlich) alles berechnet und prognostiziert werden kann – wie kann so etwas Unvorhergesehenes dann überhaupt noch passieren?

„Reeeemmiiiiiixxxx“, würde der Hip-Hop-DJ jetzt rufen: Lassen wir die Vernunft und den Pragmatismus, die uns gesellschaftliche Normen doch so sehr einprägen, einfach mal hinter uns. Springen wir über unseren postmodernen und von Rationalität geformten Schatten und geben jenen unvorhergesehenen Ereignissen einen anderen Namen: Zufall. Der böse Zufall, der den Planern dieser Welt die Excel-Tabellen durcheinanderwirft. Er, dessen Name – vor allem in der Wirtschaft – nicht genannt werden darf. Dort ist der Zufall „undercover“ unterwegs, als „Diskontinuität“ oder speziell in der Finanzwirtschaft als „Black Swan“ – metaphorisch für eine zufällige Mutation in der DNA von Schwänen, die durch jene Mutation kein weißes, sondern ein schwarzes Gefieder haben.

Aber was ist Zufall eigentlich? In Literatur aus Physik oder Philosophie werden ihm Attribute zugeschrieben wie ursachelos, unerwartet, nicht prognostizierbar oder unbeabsichtigt. Der Zufall kommt immer überraschend, weil ich im Vorhinein die Zusammenhänge oder die Hinweise für sein
Eintreten nicht erkenne.

These: Der Zufall entsteht durch das, was wir nicht wissen. Nochmal böser Zufall. Denn, wäre der Mensch zu allumfassendem Wissen fähig und würden wir zu jedem Zeitpunkt jegliche Information über alle Zustände der Welt kennen, dann gäbe es den Zufall nicht. Wüsste ich, dass mein Airbus auf halber Strecke einen Triebwerksschaden hat und notlanden muss, würde ich ihn gar nicht erst starten lassen. Wüsste ich, dass meine Erdbeeren virenverseucht sind und tausende Schüler davon am Norovirus erkranken, würde ich sie nicht verkaufen.
Niemand kann alles wissen, nicht einmal alle Menschen zusammen und das ist gut so – auch wenn’s manchmal wehtut. Aber das Bewusstsein, nicht alles genau zu berechnen und vorhersagen zu können, weil wir eben nicht alles wissen, kann eine Möglichkeit darstellen mit dem bösen Zufall umzugehen. Vielleicht sogar die einzige. Denn verhindern kann man sie nicht, die unvorhergesehenen Ereignisse, die den Kommunikationsexperten dieser Welt schlaflose Nächte bereiten. Man kann nur reagieren.

Versöhnlich kann man am Ende fragen, ob das Unvorhergesehene nicht auch sein Gutes hat. Sicherlich kann sich jeder auch an einen glücklichen Zufall erinnern, ein schöner Vorfall, der sich zufällig ereignete. Ein Wiedersehen, ein Lottogewinn oder aus Bayernsicht ein Holländer, der das Spiel der Spiele dann doch noch in der regulären Spielzeit entscheiden konnte. Wie dem auch sei – vielleicht ist der Zufall ja gar nicht so böse.