Erfolgreiche Change-Kommunikation bedient sich visueller Hilfsmittel, um komplexe Strategien verständlich auf den Punkt zu bringen, Veränderungsprozesse anzustoßen und sachliche Inhalte zu emotionalisieren. Drei bewährte Beispiele aus unserem Methodenbaukasten …

Reasoning Map oder: Die Changestory auf den Punkt gebracht
Wie funktioniert das Tool?
Man nehme ein großes internationales Unternehmen, das eine neue Strategie entwickelt hat. Zutaten sind Hintergründe, Ziele, lange Argumentationsketten und komplexe Bot- schaften. Da fällt es Führungskräften mitunter schwer, den Überblick zu behalten und das „Big Picture“ zu greifen. Ganz zu schwei- gen davon, gegenüber den Mitarbeitern die entsprechenden Inhalte verständlich zu kommunizieren.

Hier kommt die Reasoning Map zum Einsatz: Wir ordnen alle Argumente und Kernbotschaften entsprechend einer vereinfachten Struktur an und reduzieren die Komplexität. Die visuelle Umsetzung der Reasoning Map orientiert sich an einer Mindmap. Sie führt die Führungskraft Schritt für Schritt durch die Argumentationsketten. Ein durchdachtes Raster, eindeutige Verbindungen zwischen ver- schiedenen Zielen und farbliche Kennzeichnungen helfen dabei, Klarheit und Struktur in die Inhalte zu bringen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Tool an den Mann zu bringen: als großformatiges Poster, animiert oder auch als App.

Was erreichen wir damit?
Das Tool erleichtert das Verstehen, Erinnern und Wiedergeben von komplexen strategischen Initiativen, von denen im Unternehmen auch noch die meisten parallel laufen oder sich überschneiden. Da ist es hilfreich, wenn die Führungsriege ein heitliche und nur die wesentlichen Kernbotschaften in ihre Organisation streut. So erreichen wir, dass diese Multiplikatoren nicht nur entscheidende Informationen ins Unternehmen tragen, sondern auch souveräne Antworten auf kritische Fragen parat haben.

 

Dialogposter oder: Das Arbeitsblatt war gestern
Ein Unternehmen arbeitet schon seit einer gefühlten Ewigkeit mit System A. Jeder Mitarbeiter kennt es, jeder weiß, was er zu tun hat. Da System A nun aber den aktuellen Anforderungen nicht mehr genügt, führt das Management System B ein – effizienter, schneller, kostengünstiger, kurzum: viel besser als das alte.

Für die Mitarbeiter bringt das allerdings eine entscheidende Veränderung: Keiner kennt das neue System, kaum einem ist klar, was sie nun anders machen sollen. „Das alte System hat doch prima funktioniert, oder?“, lautet die gängige Meinung.
Wir lassen die von der Veränderung betroffenen Mitarbeiter in Kleingruppen am Dialogposter arbeiten – einem großformatigen Poster mit vier zentralen Fragestellungen. In diesem Fall: Welche Veränderungen ergeben sich durch das neue System? Wie weit sind wir darauf vorbereitet? Welche Informationen brauchen wir vom Management? Was hindert uns an der Umsetzung? Die Teilnehmer notieren ihre Antworten direkt auf das Poster, das anschließend ausgewertet wird. Wer schon immer kein Freund von Meta-Planwand-Schlachten und Moderationskarten-Pingpong war, ist mit dem Dialogposter gut bedient.

Was erreichen wir damit?
Wir schaffen Interaktion und Dialog, wir reduzieren Unsicherheiten und ängste, indem wir die Zielgruppe mit dem Neuen nicht nur bekannt machen, sondern die aktive Auseinandersetzung damit fördern. Wir bringen unterschiedliche Perspektiven an einen Tisch und schaffen Raum für konstruktiven Austausch. Die häufigsten Settings für das Dialogposter sind übrigens Führungskräfte-Workshops, größere Events und Konferenzen. Aber auch im kleineren Rahmen wie Team-Meetings erweist sich das Tool als sehr nützlich. Zudem eignet es sich sehr gut für das Train-the-Trainer-Prinzip.

Experiential Learning oder: Der kreativen Ader freien Lauf lassen
Wie funktioniert das Tool?
Wie der Name schon sagt, geht es bei diesem Tool darum, gemeinsam etwas Kreatives zu schaffen. Das Prinzip: Eine Gruppe von Führungskräften oder Mitarbeitern wird an einen Tisch oder besser gesagt vor eine weiße Fläche gesetzt. Vorher sollte eingeschätzt werden, wie stark der kreative Prozess beispielsweise mithilfe von Leitfragen oder eines übergeordneten Mottos gesteuert werden muss. Dann gilt es, im   gegenseitigen Austausch diese abstrakten Themen zu reflektieren, Metaphern zu finden und in eine Bildsprache zu überführen. Dazu eignen sich schwer greifbare Motive wie die Unternehmensvision oder -kultur besonders gut. In der Regel werden eine Leinwand eingesetzt und jede Menge bunte Farben. Besonders kreative Zeitgenossen dürfen gerne auch zu Papier und Leim greifen – daraus entstehen dann auch mal 3-D-Bilder einer Zukunftsvision.

Was erreichen wir damit?
Abstrakte, unklare Begriffe, unter denen meistens jeder etwas anderes versteht, werden benennbar, greifbar und zu einem starken Symbol für den Wandel. Themen wie Zukunft, Teamwork und Globalisierung werden in eine ganz einfache Bildsprache übersetzt: So rudern zum Beispiel Kollegen mit verschiedenen Flaggen auf ihren T-Shirts gemeinsam in einem Boot Richtung Horizont. Das gemeinsame Bild spiegelt den Konsens wider – ein gemeinsames Verständnis für das Thema ist etabliert. Gleichzeitig fördert die Methodik Teamwork und Kreativität. Und das Beste daran: Es funktioniert über alle Hierarchie-Ebenen hinweg. Also nichts wie los, Ärmel hochkrempeln und ran an die Buntstifte! Bauen Sie doch eine Session gleich in Ihren nächsten Visions-Workshop ein.

 

@Emily von Eschwege
Emily von Eschwege arbeitet im Münchner Change Team und fordert, dass in Brainstormings Ideen nur noch gezeichnet, nicht mehr geschrieben werden dürfen.

@Anastasia Wagensonner
Anastasia Wagensonner ist Junior Consultant im Change Team und findet, dass die Arbeit mit visuellen und kreativen Techniken die Bereicherung für den Change-Methodenkasten ist.

 

Der Artikel ist ebenfalls hier in der aktuellen Inspire-Ausgabe zu finden.