Mein Wochenrückblick: WDR, NDR & SZ Transparenzprobleme // Blendle kommt // Merkel mal emotional // Native Advertising?! // Zeit Online Relaunch // #BILDnotwelcome // Liebherr Kran-Krise // Podolski martialisch // Facebook Dislike // Android Pay // Snapchat Replay // Thorsten Sperlich für KP Berlin

Journalismus

#1 Investigativ-Recherchen offen legen
Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung ist dem Verband der privaten Rundfunksender (VPR) ein Dorn im Auge. Es geht vordergründig um die Frage der Quersubventionierung durch Rundfunkbeiträge. Allerdings hat sich der Recherverbund mittlerweile als feste Größe etabliert und bringt verlässlich getaktet investigative Geschichten auf den Markt. Womit wir beim Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Auflagen und Reichweiten wären. Oder anders gesagt: beim Geld. Wohl auch deshalb will der BPR die vertraglichen Konstruktion des Rechervebundes prüfen lassen, wobei selbiger auffallend einsilbig ist mit seinen Auskünften. Damit soll aber jetzt Schluss sein: Wie die Welt berichtet, wird ein Gesetzesentwurf in NRW vorbereitet, der den WDR zu einem jährlichen Bericht über die Details der Kooperation zwingen soll.

#2 Blendle startet in Deutschland
Ein i-Tunes für den Journalismus, so nennt jedenfalls Stefan Niggemeier das niederländische Startup Blendle. Selbiges hat eine „pay-per-article“ Methode entwickelt in der man in einer Art Online-Kiosk einzelne Artikel unterschiedlicher Medien zusammenstellen und kaufen kann. Die meisten großen Verlage sind schon an Bord, Springer hat sich sogar finanziell beteiligt. Für Leser ist das System einfach, pro Artikel wird man mit 25 Cent zur Kasse gebeten. Wer nicht zufrieden ist, bekommt (nach dem Lesen!) sein Geld zurück. Bleibt abzuwarten, ob das Prinzip der Micropayments in Hochzeiten von Abos auf die Spotify, Netflix und Co setzen, auch ausreichend von Kunden angenommen wird. Der Start aber scheint gelungen.

#3 Merkel: „Dann ist das nicht mein Land“
Dieser Teil eines Zitates zur Flüchtlingsdebatte war das mediale Thema der letzten Tage, zeigte die Bundeskanzlerin doch eine Emotionalität und Verletztheit, die sonst üblicherweise nicht zu erkennen gibt. Ein lesenswerter Kommentar dazu kommt von Gustav Seibt in der SZ.

#4 Studie: Native Advertising wird nicht erkannt
Eine Untersuchung von Contently zeigt, dass Leser Advertorials kaum von echten Artikeln unterscheiden können. Je nach Medium erkannten bis zu 88 Prozent nicht, dass der gelesene Artikel gesponsert war. Aber Achtung: Knapp die Hälfte der Befragten fühlen sich betrogen, wenn Sie das Sponsoring nicht von Anfang an erkennen können – und zwar nicht nur von dem Medium, sondern auch von der Marke. Nicht, dass die gut gemeinte Idee hinterher zum Rohrkrepierer wird.

#5 ZEIT ONLINE Relaunch: Neues Design = Neue Inhalte
Der Online Auftritt der Zeit wurde modernisiert und neu aufgesetzt. Die Designer haben vor allem großes Augenmerk auf mobile Nutzung gesetzt. So gibt es nun viel „Fingerwisch“-Interaktion und Newsticker, die stark an Social-Media-Streams erinnern. Diese sollen laut eigener Aussage nicht nur Liveticker-ähnliche Schnelligkeit in die Nachrichten bringen, sondern vor allem auch visuell einfach Kontext für komplexe Themen bieten.

 

Krisenkommunikation

#6 REFUGEESwelcome VS BILDnotwelcome

BILD brachte Hermes dazu dieses Wochenende den Sponsoringplatz auf DFL Trikots an ein gemeinsames Logo mit dem Hashtag #refugeeswelcome abzutreten. An sich eine super Sache dachten sich die meisten Bundesligavereine und sagten flugs zu. Alle bis auf St. Pauli und dem 1.FC Union sperrten sich. Das rote BILD Logo auf dem ansonsten grünen Badge war wohl zuviel Werbung in eigener Sache. Die öffentliche Kritik darauf von BILD-Chefredakteur Diekmann ging nach hinten los: Man taufte den Hashtag einfach in #BILDnotwelcome um. Emotionale Erpressung ansonsten sozial engagierter Clubs kommt halt nicht gut an.

#7 Liebherr in der Kran-Krise
Ein Liebherr-Kran stürzte in Mekka auf eine Moschee, über 100 Menschen starben, hunderte wurden verletzt. Das Handelsblatt spricht vom folgenschwersten Unglück in der Geschichte der Liebherr Krane. Die Bewertung zum Krisenmanagement: Das Unternehmen hat schnell reagiert (mit der Entsendung des Experten), man hilft bei der Ermittlung der Unfallursachen, zeigt Empathie – macht aber auch klar, was die Ursachen für ähnliche Unfälle waren (Schutz des Unternehmens).

#8 Lukas Podolski lässt sich martialische Tweets diktieren
Salutierend vor der Türkischen Fahne, Beileidsgrüße für gefallene türkische Soldaten. In Zeiten eines international kontrovers diskutierten Konflikts zwischen türkischem Militär und PKK war das wohl nicht die beste Einstiegsbotschaft die der Neuling Podolski bei Galatasaray in die Welt zwitschern konnte. Nach heftiger Kritik, vor allem von außerhalb der Türkei, entschärfte Podolski und wich aus: Sein Herz sei bei allen toten Soldaten, außerdem habe er sich den Inhalt vom Verein vorgeben lassen. Beim nächsten Mal sollte er wohl lieber wieder selber zwitschern.

 

Digitale Netzwerke & Plattformen

#9 Facebooks „Dislike-Button“
Die News überschlugen sich: Facebook wolle endlich einen „Gefällt-mir-NICHT“ Button einführen. Von Beifall bis Entsetzen waren alle Reaktionen dabei. In Anbetracht der gegenwärtigen Hass- und Mobbing Probleme wäre ein Knopf um Negativität auszudrücken ein krasser Brandbeschleuniger in der Krise. Vielleicht aber auch ist der Dislike Button einfach eine Möglichkeit, den Frust zu kanalisieren. Deswegen wohl auch Zuckerbergs Beteuern, man versuche einen Weg zu finden um Trauer und Bestürzung auszudrücken. Mal sehen ob das so klappen kann.

#10 Android Pay: Google startet mobiles Bezahlen in den USA
In den USA zieht Google mit Apple gleich und lässt Android Nutzer ab sofort mit ihrem Handy in Geschäften und Restaurants bezahlen, vorausgesetzt sie vertrauen dem Internetriesen ihre Kreditkarteninformationen an. Dafür würden diese Informationen gar nicht mehr an die beteiligten Geschäfte geliefert werden müssen. Ob und wann der Bezahldienst nach Deutschland kommt ist indes noch ungewiss.

#11 Snapchat führt bezahlte Wiederholungen von Videos ein
Druck zur Monetisierung scheint für Snapchat immer schwerer zu werden. Nach der Einführung von „Werbe-Snaps“ kommt das Replay-Feature: Mit saftigen 99 US Cent kann man sich drei extra Wiederholungen für Nachrichten kaufen. Für die Zielgruppe Jugendliche ist das ein ziemlich heftiger Preis. Interessant auch, das Alleinstellungsmerkmal der zeitlichen Begrenzung wird dadurch aufgeweicht.

 

In eigener Sache

#12 Thorsten Sperlich geht zu Ketchum Pleon
In dieser Woche war es endlich spruchreif: Thorsten Sperlich, aktuell noch bei Coca-Cola Deutschland Head of Brand PR, wird ab 1. November Geschäftsführer und Standortleiter bei Ketchum Pleon Berlin. Die PM dazu gibt’s hier. Herzlich Willkommen!

 

 

Fotocredit auf der Startseite: CC0 1.0