Mein Wochenrückblick: BILD vs. Facebook-Hetzer // Tagesspiegel spart // NYT zeigt digital // Jagd auf Millenials // Spiegel vs. DFB // How to Shitstorm // Youtube Red // Yahoo & Google // #IchBinDresden // Facebook Experimente // Deutsche Medien sind nicht digital // SoMe für Bürgerrechtsbewegungen

Journalismus

#1 BILD hetzt gegen Facebook-Hetzer
Dass die größte deutsche Tageszeitung gerne aneckt und persönlich schreibt, ist ein offenes Geheimnis. Die aktuelle Berichterstattung über „Facebook-Hetzer“ ist ein Paradebeispiel dafür. Das Springer-Blatt stellte 42 Menschen mit Profilbild und Klarnamen öffentlich an den Pranger und schrieb „Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie!“. Als Grund gab man an, die Grenze der freien Meinungsäußerung sei bei Morddrohungen und blankem Rassismus, wie in den veröffentlichten Kommentaren, überschritten. So wolle man endlich Einhalt gebieten.

#2 Tagesspiegel spart an Freelance-Autoren
Der Tagesspiegel verkündete ein hartes Sparprogramm und stellte alle Aufträge für freie Autoren mit sofortiger Wirkung ein. Grund für die Sparmaßnahmen soll ein Anzeigeneinbruch sein. Die Berliner Zeitung erhofft sich dadurch ein Ersparnis in kleiner sechsstelliger Höhe. Kritik dafür gibt es sogar aus eigenen Reihen, Alfons Frese, Vorsitzender des Betriebsrats nannte die Maßnahme „keine intelligente Sparpoilitk“.

#3 NYT zeigt neue Digitalstrategie
The New York Times verkündete, man wolle den digitalen Umsatz bis 2020 auf 800 Millionen Dollar verdoppeln. In einem 11 Seiten langen Memo wird beschrieben wie die Strategie aussehen soll. Man will sich ganz nach den Wünschen der Leser ausrichten, mit verschiedenen Inhalten und Aufarbeitungsmethoden experimentieren und so insgesamt die Verweildauer verlängern. Im ersten Schritt wurde ein „Express Team“ gegründet, dass seine Breaking News anhand von Suchanfragen und Social Media generiert.

#4 Die Jagd auf Millenials-Leser – Ein Vergleich: USA & GER
Die großen Verlage in Deutschland zielten im vergangenen Jahr extrem auf Millenials. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Ze.tt (Zeit), BYou (BILD), Bento (Spiegel), oder Orange (Handelsblatt). Die Zielgruppe an sich ist kein Novum, die Entwicklung sieht man in so gut wie jedem Land. Interessant ist allerdings, wie sich die jeweiligen Medienlandschaften dadurch verändern. Ein lesenswerter Artikel von Shan Wang beschreibt wie verschieden die Erfolge von Verlagen und Startups in Deutschland und den USA sind.

 

Krisenkommunikation

#5 Spiegel vs. DFB
Das Sommermärchen 2006 sei gekauft. Mit diesem „Scoop“ wollte der Spiegel mal wieder so richtig einen knallen lassen. Das Magazin zog alle Register bei Marketing und Vorberichterstattung. Alles hätte also so schön kommen können, doch die Enthüllungsstory entpuppt sich als Bumerang für den Spiegel. Die Kommunikationsmaschinerie des DFB stellt die vielen Konjunktive und offenen Fragen des Artikels gekonnt bloß. Und plötzlich geht es nicht nur beim Fußballverband um alles, auch der Spiegel muss um seinen Markenkern bangen. Mit einer Pressekonferenz am Donnerstag wollte DFB Präsident Nierbach zum endgültigen Befreiungsschlag ausholen. Doch erst eine äußerst fragwürdige Begründung für Zahlungen, dann auch noch ein offizielles Dementi von Seiten der FIFA, treiben den DFB wieder in die Defensive. Der Ball ist somit wieder beim Spiegel gelandet, der will am Samstag mit weiteren Enthüllungen nachlegen. Es bleibt also spannend. Meinen gesamten Kommentar zum Schlagabtausch zwischen den beiden Seiten lest ihr beim Horizont.

#6 ZDF erklärt Shitstorms
Alle, die sich für digitale Krisenkommunikation interessieren, – und jetzt seien wir mal ehrlich, welche Krise findet denn heutzutage nicht mehr zumindest teilweise im Netz statt – dürfen sich über ein gekonntes Scrollytelling vom ZDF freuen. Schön aufbearbeitet, mit vielen Videos und Hintergründen wird der Shitstorm erklärt, und wie man ihn überwindet.

 

Digitales & Social Media

#7 Youtube Red, die eierlegende Wollmilchsau des Streaming
Nein, Youtube steigt nicht ins Porno-Geschäft ein. Mit dem etwas irreführenden Namen Youtube Red führt die Videoplattform „nur“ die lang angekündigte Paywall ein, zumindest in Amerika. Mit dem Angebot kann man für knapp 10 Dollar im Monat alle Videos ohne Werbeclips ansehen. Außerdem sollen exklusive Serien- und Filmproduktionen ala Netflix und Amazon Prime angeboten werden. Um den Rundumschlag zu vollenden gibt es mit Red einen Zugang zum kompletten Angebot des Musik-Streaming-Dienstes Google Play, dem Konkurrenten von Spotify und Apple Music.

Der Launch kommt allerdings mit einem kleinen Beigeschmack. Während vor einigen Monaten noch angekündigt wurde, dass YouTuber selbst entscheiden könnten ob sie an Youtube Red teilnehmen möchten, gibt es Berichte, dass sie nun quasi gezwungen werden, wenn sie den Geld durch Werbeeinnahmen verdienen wollen.

#8 Yahoo nutzt nun Google
Die letzten Quartalszahlen des Internetgiganten Yahoo fielen recht mager aus. Nun soll eine Zusammenarbeit mit Google helfen. Der Goliath der Suchmaschinen wird Yahoo künftig mit Suchergebnissen und Werbeanzeigen versorgen.

#9 Mit Hashtag gegen Pegida
Pünktlich zum Jahrestag der Pegida-Proteste soll die Twitter-Aktion #IchBinDresden die Stadt nun wieder ins richtige Licht setzen. Dresdens Image hatte ja in letzter Zeit ein mehr oder weniger großes Problem durch die Assoziation mit Islamgegnern und Flüchtlingshassern. Als Gegenmittel bekennen sich nun Bürger, Prominente und Politiker mit dem Hashtag öffentlich zu Toleranz und Weltoffenheit. Ich habe auch mitgemacht.

#10 Übersicht über Facebooks Experimente
Fast jede Woche gibt es eine neue Meldung zu neuen experimentellen Features auf Facebook. Die Übersicht kann man dabei leicht verlieren. Die Website Techcrunch hat nun eine schön animierte Slideshow zur Übersicht erstellt: „20 New Ways Facebook Is Eating The Internet

#11 Die fehlende Digitalstrategie der Medienhäuser
Eine Studie von KPMG und der LMU München ergaben, dass 90 Prozent der deutschen Medienunternehmen immer noch keine übergreifende Technologiestrategie haben. Generell sei zu beobachten, dass große Medienhäuser fortgeschrittener sind als kleine, Fernseh und Radio besser aufgestellt sind als Verlagshäuser. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse deutlich, dass neue Technologien einen positiven Effekt auf Kundenbeziehung und Umsatz haben.

#11 Social Media und Bürgerrechtsbewegungen
Ein weiterer Scroll-Artikel mit ordentlich Tiefe: Sozialen Medien werden immer nachgesagt, sie würden unser Verhalten verändern. Bijan Stephen beleuchtet wie #BlackLivesMatter für die neue Form der Bürgerrechtsbewegungen in den USA steht. Eindrucksvoll zeigt er welche Auswirkungen Soziale Medien auf die Kommunikation und Organisation der schwarzen Bürgerbewegung haben.

 

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