Die Sprache der digitalen Welt

Ein Beitrag aus unserem aktuellen KP Inspire-Magazin “Inspire #07: Die Neumacher”:

Digitalisch

Die digitale Transformation ist da und betrifft jede Form der Unternehmensgröße. Das hat weniger mit der Wortwahl als mehr mit der Veränderung des Geschäftsmodelles und den Arbeitsweisen und
Wertschöpfungsprozessen zu tun. Die Industrie von morgen wird geprägt sein von intelligenten Maschinen und vernetzten Systemen. Sie bilden das Fundament für Innovationen, mit denen auch Traditionsunternehmen neue Geschäftsfelder betreten werden.

Wenn Unternehmen die digitale Transformation kommunikativ vorantreiben wollen, sollten sie zunächst ein klares Bild über die Bedürfnisse ihrer Adressaten und der möglichen Kontaktpunkte mit
ihrer Kommunikation haben – sowohl extern als auch intern. Das heißt vor allem, dass sie die Sprache der digitalen Welt lernen müssen – also die strategischen Ziele in die Sprache von Enterprise 2.0,
Cloud Computing, Big Data und Industrie 4.0 übersetzen. Inhalte und Botschaften werden daraus abgeleitet und mit der passenden Kanalstrategie verbunden, je nach dem zu erzielenden Impact auf
die Geschäftsziele.

Gerade deutsche Unternehmen, oft mittelständisch geprägt, tun sich schwer mit der Übersetzung in die digitale Terminologie. Denn die Sprache, so das Argument, passe nicht zur Tradition des Unternehmens
und enthalte zu viele Anglizismen. Zudem würden Begriffe wie Enterprise 2.0, Web 3.0 oder Industrie 4.0 eher nach Fußballergebnissen als nach Geschäftsstrategie klingen. Eines steht jedoch fest: Wer sich der digitalen Sprache verweigert, darf sich nicht wundern, wenn ihn die „Digital Community“ nicht versteht. Wer indes im B2B-Umfeld erfolgreich sein will, muss über seinen Schatten springen und sich an die Übersetzungsarbeit machen: Aus einer „Anwendung für integrierte Maschinenautomation mit digitaler Produktionssteuerung“ wird dann eben eine „Industrie-4.0-Lösung“ und das „System für die soziale und vernetzte Kommunikation der Mitarbeiter für den Wissensaustausch“ beschreibt der Begriff
„Enterprise 2.0“ treffender und einfacher.

Vor der Übersetzung bietet es sich an, von „Digital Natives“ zu lernen. Vor allem in der testenden Herangehensweise, schnelle Prototypen zu entwickeln, um die Reaktion auf Inhalte und Botschaften
zu messen und im Erfolgsfall dann zu skalieren. Die richtigen Sprachrohre der digitalen B2B-Welt müssen bedient werden. Für so manchen Welt-marktführer bedeutet dies, dass er sich einen erfahrenen
Guide für den Weg durch den Dschungel von Facebook, Twitter und Co nehmen sollte. Denn wer cloudbasierte Steuerungssoftware oder vernetzte Industrie-4.0-Systeme verkaufen will, ist nur
selten mit einer Facebook-Fanpage gut beraten. In der B2B-Welt gilt nicht das Gießkannen-prinzip wie vielleicht im Consumer-Kosmos, sondern die gezielte Ansprache der Peergroup. Außer auf sozialen
Netzwerken wie Xing oder LinkedIn trifft sich die B2B-Community gerne in geschlossenen Gruppen. Spezielle B2B-Plattformen von Talkbiz-now, MeetTheBoss oder Viadeo sorgen dafür, dass das
geschäftliche Interesse im Fokus bleibt. Inhalte und Expertise sind hier wichtiger als bunte Bilder, deshalb sind auch Blogs und Foren beliebter als Instagram und Pinterest. Und doch – das bewegte Bild
hat sich auch in B2B-Kreisen etabliert: Videos, die Aufbau, Bedienung und Einsatz von Maschinen und Anlagen zeigen, werden gerne auf YouTube angeklickt. Auch Erklärvideos, die mit einfachen
Scribbles komplexe Themen verständlich machen, sind vielfach zu finden, sei es zu Big Data oder zur Aufbereitung von Sand und Kies.

Zudem ist beim Thema Employer Branding die Social-Media-Welt von Facebook und Twitter ein „best place to be“. Wer sich hier nicht tummelt, der ist für junge Talente oft gar nicht existent. Wer dann endlich seine Sprache, Botschaften und Kanäle für die digitale B2B-Welt gefunden hat, der sollte sich jedoch nicht am Ziel wähnen. Denn die digitale Kommuni-kation unterliegt einer ständigen
Optimierung, da durch die messbare Interaktion mit den Inhalten kontinuierliche Veränderungen und Verbesserungen notwendig sein werden.

 

Weiterführende Links:
• Wie verkauf ichs dem Chef? Diese Frage und weitere hilfreiche Einstiegsinformationen für Social Media im Mittelstand liefert dieser Artikel: http://karrierebibel.de/social-media-im-mittelstand/
• Ausgezeichnete Kampagnen aus dem B2B-Bereich finden sich zur Inspiration hier: http://www.onlinekommunikationspreis.de/winnerlist/
• Eine Studie zum Thema Social Media und B2B (nicht ausschließlich Mittelstand) ist hier abrufbar: https://www.brandwatch.com/de/b2b-social-media-report-2015/

 

@Roland Brutscher
Roland Brutscher arbeitet am Standort Stuttgart schwerpunktmäßig für Kunden aus dem B2B-Bereich und freut sich immer über experimentierfreudige Unternehmen.