ACT!ON – 15 Kolleginnen und Kollegen von Ketchum Pleon haben sich drei Tage unter die rund 4000 Teilnehmer gemischt und einen größeren Teil der über 160 Stunden Programm erlebt. Eines schon vorweg: Die rp12 ist wieder ein Stück erwachsener geworden. Kein Woodstock der Social Media Generation, Nerds und Blogger – größere Location (trotzdem reichte bei vielen Sessions der Platz nicht aus), deutlich bessere Organisation, mehr Programm. Zu Recht wird sie von den Veranstaltern als die „größte Konferenz Deutschlands über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft“ bezeichnet, auch wenn das hiesige WLAN nicht wirklich funktionierte. Dafür gab es ausreichend Strom!

15 Kolleginnen und Kollegen und damit wohl die größte Teilnehmergruppe einer Agentur: Das ergibt viele unterschiedliche Eindrücke zu den Trends, Themen und Schwerpunkten der rp12:

Jana Galinovski, Redakteurin
Gut fand ich generell, sich mal mit übergeordneten Themen zu befassen, zu denen im Arbeitsalltag meist keine (oder kaum) Zeit bleibt. Also zum Beispiel auch Themen wie „Organisation 3000: Algorhitmen oder Geld?“. Ein Highlight für mich persönlich war das Thema Transmedia Storytelling. Auch wenn wir natürlich meist noch mono-medial arbeiten, finde ich die Ausweitung des Geschichtenerzählens über verschieden Medien/Geräte sehr spannend. Bei manchen Sessions/Themen hatte ich aber doch das Gefühl, dass „alte“ Themen nur ein schickes Label bekommen, zum Beispiel Datenjournalismus: Sicherlich ändern sich hier Form und Zugangsmöglichkeiten – aber der Nutzen von Infografiken für die Verständlichkeit ist keine Neuheit. Auch hatte ich den Eindruck, dass die Diskussion um Urheberrecht etc. weiterhin ziemlich auf der Stelle tritt. Das liegt aber sicherlich nicht an den Panel-Teilnehmern der republica…

Janina, Schlickewei, Social Media Account Manager
Auf der #rp12 wird klar: Die US-Blogosphere ist der hiesigen immer noch weit voraus und setzt zum Angriff an. Große US-Netzwerke wie Techcrunch, Huffington Post und Co. starten in den kommenden Monaten mit deutschen Angeboten und werden den Markt für sich erobern. Es sei denn Blogs und klassische Medien lassen ihre Eitelkeiten hinter sich und erkennen das Potenzial einer Zusammenarbeit.

Friederike Pietsch, Project Executive International
„The rediscovery of passions and visions.“ So könnte man die Trends der re:publica 12 wohl am Treffendsten beschreiben. Von Crowdfunding Plattformen über Gamification Ansätze bis hin zu fablabs – allen liegt die Tatsache zugrunde, dass die Vision und Spielfreude jedes Einzelnen eine Menge bewegen und begeistern kann. Social Media werden zum Ort gemeinschaftlichen Schaffens und Erfahrens, der Ort, der trotz aller Virtualität die Brücke zurück ins Leben schlagen kann. Intergrated, multi-channeled, multi-directional, passionate storytelling vom Feinsten. I love it!

Norbert Brema, Junior Consultant Social Media
„Zwei Dinge können nicht identisch sein, und wenn man behauptet, dass eine Sache identisch ist, dann kann dies erst recht nicht richtig sein!“ – dieses Zitat (ursprünglich vom Philosophen Wittgenstein) zur Identität von Gamern / Internetusern in einem Vortrag von Sina Kamala Kaufmann („In case of reality use Magic Wand: Social Games & Digital Identities“) steht für mich pars pro toto für die #rp12 und zeigt ganz gut die metaphysische Ebene, in der ein Großteil der Beiträge auf der #rp12 schwebte. Die Vorträge waren insgesamt spannend, nur wünscht man sich als professioneller Kommunikator doch ab und an etwas mehr Praxisbezug und vor allem mehr reale Cases. Denn in den hohen Sphären lebt es sich zwar gut, doch ist die Luft teilweise sehr dünn! Trotzdem konnte man auf der #rp12 (größtenteils) die Themen ausmachen, die die SoMe-Branche im Moment treiben: multilevel & transmedial Storytelling, Gamification, Cloud Computing, Urheberrecht und nicht zuletzt ACTA! Doch auch dieses Jahr trifft die Selbstbeschreibung der #rp hundertprozent ins Schwarze – es ist (noch) das „Klassentreffen von Bloggern, Internetaktivisten und Netzintellektuellen“!

David Nelles, Senior Social Media Strategist
Das Internet im Internet traff sich wie jedes Jahr im Berlin. Trotz des Umzugs vom Friedrichstadt Palast und der zumeißt kuschelig vollen Kalkscheune in die größere Location der Station, ist die re:publika immer noch weit davon entfernt eine Mainstreamveranstaltung zu sein. Die re:publika ist und bleibt die größte Veranstaltung für Online Kultur in Deutschland, dabei aber in sich geschlossen und mit wenig Bezug zu den Millionen von Normal-Internetnutzern dieser Nation. Vielleicht brachte es Sascha Lobo auf der diesejährigen re:publika am besten auf den Punkt – Urheberrecht interessiert Deine Mutter. Nicht.

Simon Schlenke, Social Media Account Manager
Blogs, Blogs, Blogs! Die re:publica 2012 war in meiner Wahrnehmung ein Aufruf sowohl quantitativ (Lobo: „Macht 2012 zum Jahr des Blogs!“) als auch qualitativ (Pallenberg: Deutsche Blogs finden in Massenmedien nicht statt – das muss sich ändern) und nicht zuletzt profesionell zuzulegen ( Lumma: „Wenn man nicht nur ein Bier im Monat mit seinem Blog verdienen möchte, muss man sich auf andere Vermarktungsformen einlassen. Sprich Advertorials“)

Daniel Schiffer, Consultant
Positiv bei der re:publica 12 war vor allem die neue Location: In der STATION Berlin gab es (endlich) mehr Platz für die Besucher, mehr Sessions und damit auch ein breiteres Spektrum an Themen. Von Occupy und Anonymous über Cloud-Computing, Visual Storytelling, die (natürlich) unausweichlichen Diskussionen über das Urheberrecht im Netz bis hin zu Regierungssprecher Steffen Seibert und seinen Twitter-Aktivitäten bot die rp12 mal wieder jede Menge spannende Vorträge. Einziger Wermutstropfen: Die Diskussionen fanden wie schon in den vergangenen Jahren oft auf einer rein theoretischen Ebene statt – Konkretes war leider nur selten zu finden. Im nächsten Jahr bitte mehr davon!

Katrin Hilger, Consultant Social Media
Ging es in den letzten Jahren noch um „Man sollte doch“, ist die Social Media Szene nun beim „Jetzt machen wir“ angekommen. Diese Ernsthaftigkeit ist der Konferenz anzumerken. So setzte auch Professor Eben Moglen einen nachdenklichen Grundton mit seiner These, dass Gedankenfreiheit nur mit einem Internet möglich sei, das nicht komplett von Firmen getrackt und gesteuert wird.

Petra Sammer, Partner und Chief Creative Officer
Wer twitternde Astronauten, hackende Suizidgefährdete und einen sehr sympatischen Regierungssprecher erleben will, der ist auf der re:publica bestens aufgehoben. Und auch wenn Journalisten, Blogger und Social Media Berater danach nimmer müde werden, der re:publica zuzugestehen, dass sie 2012 endlich erwachsen geworden sei, so sind doch die unkonventionellen Blühten am Rande der Konferenz die Highlights, die ihren Charme ausmachen. Angefangen von dem „Analog-Design“ der Konferenz. Waren doch Farbgestaltung und Logo der diesjährigen re:publica eine charmante Replik auf schlechte Schwarz-Weiss-Kopien aus Kopiermaschinen alter Tage. Ich bezweifle, dass mancher junge Teilnehmer überhaupt die Anspielung verstanden hat, da er eigentlich nur super Digitaldruck-Kopien kennt. Und auch die physische Twitter-Wall, eine echte Wand, an die drei Tage lang der ausgedruckte Twitterfeed zum #rp12 mit Tapetenkleister hintapeziert wurde, hatte einen herrlichen Retro-Charme. Übertroffen wurde dieses Zitat alter medialer Rituale des Flugblatt-Anschlages durch die „Re-zitierung“ im Netz. Denn viele Teilnehmer fotografierten ihren eigenen Twitterfeed an der Twitterwand ab und schickten ihn erneut, in neuer Form, per Twittpic ins Netz. Die re:publica Twitterwall wurde damit gleichsam zum Symbol des Medienverhaltens und Umgangs mit Content im Netz: aus einer originären Idee wird ein Tweet, wird ein Retweet, wird ein Mashup und erneut ein Tweet. Wir leben im Zeitalter der Kopie der Kopie. So ist die re:publica Kulturkritik auf hohem Niveau. (Und natürlich ist sie erwachsen geworden).

Yasmine Cordes, Senior Consultant
Indirekter Schwerpunkt vieler Panels: Wie können Netzaktionen, neue Publikationsformate und Beteiligungsformen in der „realen“ Welt umgesetzt werden? Was in der Blogosphäre funktioniert, krankt an der Anschlussfähigkeit offline. Ob Verlage, Journalisten oder Parteien, alle experimentieren mit den neuen Möglichkeiten und stellen fest: Man braucht länger in der Umstellung als die re:publica-Teilnehmer, die noch an ihren Vermittlungsleistungen arbeiten. Genug Stoff für #rp13,14,15…

Lucas Mohr, Junior Consultant Digital
Eindruck: Inhaltlich nicht viel neues aber gut zum Netzwerken und austauschen, Schwerpunkte: Crowdfunding, Storytelling, Messbarkeit von Menschen im Netz
Trend 1: Alles was Crowd(involvement) beinhaltet. Mit Hilfe der Masse (Stichwort Schwarmintelligenz) Dinge (Bspw. Finanzierung von Start Ups, Entwicklung von Produkten) vorrantreiben. Trend 2: Quantified Self – Lernen durch die Selbstbeobachtung

Rüdiger Maeßen, Office Head Düsseldorf/Bonn, Head Digital & Social Media Germany
Wie gut, dass es völlig normal ist, Sessions noch während sie laufen zu verlassen. So haben mich Sessions zu Transmedia Storytelling und Gamification enttäuscht, obwohl diese Themen ansich derzeit zu den Buzzwords gehören. Leider keine neuen Cases, die mich überrascht oder gar begeistert hätten, keine neuen Ansätze, Methoden oder Tools. Dennoch bleiben diese Themen für mich sehr zentrale. Tragen sie doch dazu bei, mit intelligenten und explorativen Mitteln Inhalte interessant zu gestalten. Abseits von Urheberrecht, Netzfeminismus, Anonymous und Internetfreiheit – die inzwischen fast Mainstream sind – gab es aber auch viel Austausch unter den Teilnehmen und damit bleibt die rp12 immer noch ein Treffen der Netzgemeinde.

Moritz Buttgereit, Assistant Social Media
Eines der für mich spannendsten re:publica Vorträge fand dieses Jahr abseits der großen Bühnen statt. Etwas versteckt auf Stage 7 referierte Florian Schumacher vor einem kleinen Publikum zum Thema „Quantified Self“. Es fällt nicht schwer die Vermutung aufzustellen, dass diese spannende Materie in den nächsten Jahren ihren Weg auf die großen Bühnen der #rp findet. War es in der Vergangenheit doch sehr mühsam Daten zu sammeln und auszuwerten, so werden diese Mechanismen aktuell durch neu entstehende Technologien immens vereinfacht. Viele Tätigkeiten müssen nicht mehr per Hand erfasst und ausgewertet werden, sondern können automatisiert durch Apps, oder Biosensoren protokolliert werden. Der Kerngedanke des „Quantified Self“ ist die analytische Selbstbeobachtung und die spätere Auswertung der gesammelten Daten. Inzwischen gibt es Hilfsmittel, um die diversesten Bereiche zu untersuchen, so kann zum Beispiel mit der App „Runkeeper“ das eigene Laufverhalten untersucht werden. Andere Apps wie „The Eatery“ sollen den „User“ dazu animieren, sich gesünder zu ernähren. Hinter vielen dieser Apps steht im Moment wohl eher noch ein spielerischer Gedanke, aber es fällt nicht schwer zu vermuten, dass Apps aus diesem Spektrum einmal einen wichtigen Beitrag für eine bessere medizinische Betreuung spielen könnten.

 

Die rp12 bleibt eine Veranstaltung zwischen digitalen Metathemen und konkreten Anwendungsfällen. Die gute Themenmischung sorgt dafür, dass sich die inhomogene Netzgemeinde auch weiterhin angezogen fühlt. Wir sind gespannt, wie sich die re:publica weiterentwickeln wird. Wie auch immer – wir werden auch nächstes Jahr berichten.