Für Zalando kommt es gerade knüppeldicke: das Geschäftsmodell wird kritisch beäugt, die neue Werbung spaltet – und jetzt steht der Versandhändler für seine Arbeitsbedingungen am Pranger. RTL hat “undercover” ermittelt, das Netz reagierte prompt, empört sich und schimpft “Sklavando”. Und der Angeprangerte? Macht kommunikativ vieles richtig. Erst die schnelle Reaktion auf Twitter, dann die Facebook-Statements nebst umfangreicher Faktensammlung. Zalando, um Aufklärung bemüht, zieht alle Register und leitet sogar rechtliche Schritte gegen die Redakteurin ein. Etwas, dass man meist nicht empfehlen kann, hier scheint er dennoch richtig.
 
Aber worum geht es wirklich? Im Grunde um ein Paradebeispiel für interessengeleitete Kommunikation: RTL will Quote machen, Wallraf sich profilieren – eine ausgewogene Berichterstattung ist da natürlich störend. Ganz nebenbei will Ver.di neue Mitglieder gewinnen, springt also mal eben auf den Zug auf, nutzt die Chance, sich zu profilieren. Und Zalando selbst will den Abverkauf nicht beinträchtigen, da schadet so eine Berichterstattung. Im Netz ist an der Wahrheit zu diesem Zeitpunkt schon kaum jemand mehr interessiert, die Meinungsbildung scheint abgeschlossen: Man steht auf der einen oder anderen Seite und trötet seine Meinung in den digitalen Raum – zum Teil mit erschreckender Naivität.
 
Vermutlich wird all das die Umsätze von Zalando am Ende des Tages kaum schmälern. Da sind Konsumenten dann plötzlich sehr vergesslich. Und die tendenziöse Berichterstattung wird wohl auch keine Veränderungen bei den Arbeitsbedingungen bringen. So gibt es am Ende wohl nur Verlierer. Für Zalando gilt: Entweder man stellt die Ursache ab oder man hält den Druck aus und im Zweifel kommunikativ dagegen.
 
Der Beitrag erschien auch auf www.horizont.net.