Mein Wochenrückblick: Paris und die Medien // Tagesschau International // ZDF Meinungsmacht // Tod der Männermagazine // Xavier Naidoo beim ESC // Müllermilch lasziv // Google+ Wiederauferstanden // Emoji of the Year // Spotify Analysetool // Journalistenansprache über Facebook Ads

Journalismus & Medien

#1 Paris und die Öffentlichkeit
In der Woche nach Paris ist faktisch & emotional unmöglich, auch nur die wesentlichsten Ereignisse in einen Absatz zu pressen. Also versuche ich es erst gar nicht. Dennoch hallt ein Aspekt nach: Wie schnell verbale Aufrüstung und mediales Säbelrasseln voranschreitet, wie schnell man zur Verteidigung der Freiheit die Begrifflichkeit Krieg verwendet. Georg Altrogge hat darüber einen lesenswerten Beitrag geschrieben. Auch Ulrich Kreatzer von der Berliner Morgenpost gibt heute einen betont rationalen Komentar dazu. Und weil das aktuelle Cover von Charlie Hebdo durchaus verstörend ist, hier ein Gedankengang von Alexander Becker. Zu guter Letzt der trotzige Monolog von Helge Schneider.

#2 Tagesschau auf Arabisch & Englisch
Die Tagesschau orientiert sich internationaler und bietet ab jetzt eine zweimal tägliche Nachrichtensendung für Zuwanderer. Ohne viel Trara, mit viel lesbarem Text und nur vereinzelten Videos wird das Format „In 100 Sekunden“ auf English und Arabisch mit jeweils eigener Microsite online ausgestrahlt.

#3 ZDF, Deutschlands meinungsmächtigstes Medium
Im jährlichen MedienVielfaltsMonitor der deutschen Medienwächter hat der ZDF das Medium BILD an Meinungsmacht überholt. Das Medienangebot rund um den Fernsehsender hält 4,6% des gesamten deutschen Meinungsmarkts. Besonders hilfreich für den ZDF war laut der Studie, dass Kanäle wie Facebook, Youtube und Twitter die Nachrichtenreichweite wesentlich besser verstärken als zum Beispiel eine eigene Webseite. Die Fakten scheinen für sich zu sprechen, nur glauben mag man das irgendwie nicht.

#4 Tod den Männermagazinen, lang leben die Männermagazine
Die Männermagazine sind am Aussterben. Zumindest die, die ihren Content hauptsächlich auf nackte Haut auslegen. Wer den Beweis will, der schaue zu wie Playboy abstinent werden will oder nun, wie der Verlag Bauer Media gerade den britischen Ableger des weltbekannten Magazins „FHM“ einstellt. Der Grund sei das kostenlose Überangebot an nackten Tatsachen im Internet. Übrigens, den Magazinen, die Männer nicht als nur triebgesteuerte Wesen ansprechen, sondern sich mit zielgerichteten Themen wie Mode, Fitness oder Ernährung befassen, geht es gar nicht schlecht. Das Magazin „Beef“ wurde vor einem Monat sogar zum Lead Magazin des Jahres gekürt.

 

 Krisenkommunikation

#5 Xavier Naidoo – Soll dieser Mann für Deutschland singen?
So titelt jedenfalls die Berliner Zeitung heute. Die Süddeutsche Zeitung nennt es einen schlechten Scherz, die BILD wundert sich über das merkwürdige Auswahlverfahren. Für alle nicht so bewanderten: ARD und ZDF haben den Publikumsentscheid zum Eurovision Song Contest einfach gekippt und Sänger Xavier Naidoo direkt nominiert. Das Netz reagierte empört, der Tenor: Naidoo sei homophob, den Rechten zugewandt und letztlich ein Deutschlandleugner. Der ARD scheint überrascht, ob der Heftigkeit der Reaktionen. Teilweise wirken die Verantwortlichen sogar überrumpelt, gestern Abend widmeten der Nominierung dann sogar die Tagesthemen kostbare Sendeminuten. Ob der Support und die Aussage von ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, jeder hätte schon mal Fehler gemacht, letztlich hilfreich ist, bleibt abzuwarten. Die aufgebrachte Menge tobt indessen durchs Netz und beteiligt sich tausendfach an der Online Petitionen gegen Naidoo. Soweit dann doch alles wohltuend normal.

#6 Müllermilch: Alles Rassismus oder was?
Pin-up Girls im Style der 50er-Jahre auf Müllermilch-Flaschen, lasziv räkelnd, (haut)-farblich fein abgestimmt auf die angepriesenen Sorten: Ausgerechnet auf der Weihnachtsedition hat Müllermilch leicht bekleidete Mädchen abgebildet, auf der Schokomilch prangt gar eine dunkelhäutige Frau, auf den nackten Schenkeln nichts als eine Schokotafel. Vielleicht dachte man im Unternehmen, gerade diese Variante sei besonders passend? Sexismus! Rassismus! Frauenfeindlichkeit! Leichte Beute für die heutige Shitstorm-Gesellschaft. Unter #ichkaufdasnicht fand sich die Empörungsgemeinde dann auch schnell zusammen. Müllermilch wäre nicht Müllermilch, wenn man klein beigeben würde: Die Erklärung ist nicht etwa deeskalierend, denn es heißt da: „Den gleichen, falschen Vorwurf müssten wir uns gefallen lassen, hätten wir auf die Figur verzichtet und ausschließlich weiße Motive verwendet.“ Ein Beitrag von Marc Felix Serrao befasst sich damit, seiner Meinung nach scheint Müllermilch von der Aufregung jedenfalls zu profitieren.

 

Digitales & Social Media

#7 Wiederauferstehung von Google+
Google+ wurde totgesagt. Alle, für die SEO nur eine undefinierbare Buchstabenreihe ist, würden der Social Media Plattform fernbleiben, so böse Zungen. Und was macht Google daraus? Anstatt es einzustampfen wird es einfach komplett neu designt und fokussiert auf Communities und aggregierte Collections neu gestartet. Man habe sich vollkommen an den Anforderungen der bestehenden Nutzerschaft orientiert um ihnen die bestmögliche Anwendung zu bieten. Wer weiß, vielleicht klappt ja so die Disruption mit der Nischen-Plattform gegen den alles-Können-wollenden Rivalen Facebook.

#8 Das Wort des Jahres ist ein Emoji
Das Oxford Dictionary hat das britische Wort des Jahres gewählt und es ist: Für die, die keine Bilder sehen, das Emoji heißt “ Face with Tears of Joy“. Als Grund wird die immer größer werdende Nutzung der Bildchen in alltäglichen Formen der Kommunikation, ja sogar politischen Kampagnen genannt. Die lesenswerte Erklärung gibt es hier. Als Kommentar kann man da nur sagen .

#9 Spotify Analysetool
Vor einiger Zeit sorgte die Musikstreaming-Plattform für Aufregung, weil es sich mit neuen AGBs persönliche Nutzerdaten verschaffte. Jetzt zeigt sich, dass Spotify diese nicht nur für Werbung benutzen will sondern auch Musikern ein Werkzeug liefert. Schlau gemacht kann man mit dem Tool „Fan Insights“ als Musiker oder Manager die Hörerschaft analysieren und Marketing-Maßnahmen darauf abstimmen. Vor allem für Musiker am Anfang der Profession sehr Hilfreich. Ob man seine Setlisten auf Konzerten gleich dannach richten will, wie Spotify es auf dem Blog vorschlägt, bleibt jedem selbst überlassen.

#10 Journalistenjagd mit Facebook-Ads
Dass im PESO Modell der Shared Teil immer mehr durch Paid unterstützt werden muss ist mittlerweile wieder alter Hut. Dass Agenturen aber anscheinend vermehrt Paid einsetzen um an Earned Reichweiten zu kommen, ist dann doch etwas abstrus. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge richten PRler ihre Facebook-Ad Budgets immer häufiger gezielt auf Beschäftigte von bestimmten Medien aus. Sinnhaft? Das darf bezweifelt werden.

 

 

 

 

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