Leistungsstarke Kamerasysteme, eine verbesserte Schnittsoftware und Einbindungs-möglichkeiten auf immer mehr Kanälen machen die Produktion von 360-Grad-Videos zunehmend attraktiv. Sobald es darum geht, Zuschauer mitten ins Geschehen zu holen und ihnen individuelle Erlebnisse zu bieten,
ist das neue Format ein gutes Werkzeug für Werbung und PR.

Ein Beitrag aus unserem aktuellen KP Inspire-Magazin “Inspire #07: Die Neumacher”:

zeistrahl

Als die altehrwürdige New York Times Anfang November 2015 mit der 360-Grad-Reportage The Displaced einen beeindruckenden Einblick in das Leben des im Libanon lebenden syrischen Flüchtlingsmädchens Hana gab, ging ein Raunen durch Medienwelt und Leserschaft. Der Film zeigte eindrücklich, wie nah Virtual-Reality-Reportagen – im Vergleich zu herkömmlichen Video-Formaten – an das Geschehen herankommen können. Doch die neuen Reportagen sind nicht nur eine wertvolle Ergänzung im digitalen Storytelling. 360-Grad-Videos bieten auch für PR und Marketing von
Unternehmen, Institutionen und Verbänden viel Potenzial.

Rasanter Entwicklungssprung in 2015
Nach dem ersten Hype rund um Virtual Reality (VR) in den 1990er-Jahren stagnierte die Entwicklung lange Zeit. Noch 2013 bezeichnete die Computerwoche die neue Technik als einen der größten
Flops der IT-Geschichte. Der Virtual-Reality-Experte Ben Delaney, der in den 1990ern als Journalist für das VR-Magazin CyberEdge und danach als VR-Berater tätig war, erklärt das Scheitern mit der damals
unausgereiften und viel zu teuren Technologie. Doch seit diesem Jahr macht sich ein erheblicher Entwicklungssprung bemerkbar. Dank immer besserer Kameratechnik und immer leistungsfähigeren
Rechnern und Grafikprozessoren lassen sich 360-Grad-Filme mittlerweile in sehr guter Qualität drehen und ansehen. Außerdem können die Filme endlich auf allen wichtigen Online- und Social-Media-Kanälen eingebunden und nicht nur am Desktop, sondern auch mittels Apps auf dem Smartphone angesehen werden – eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt. Damit sind 360-Grad-Filme endlich alltagstauglich geworden.

Vorreiter Google und Facebook
Insbesondere Google und Facebook haben diese Entwicklung vorangetrieben. Seit März 2015 lassen sich 360-Grad-Filme bei YouTube einbinden. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen – wie zum Beispiel Google
Cardboards oder künftig Oculus Rift – können die Nutzer das Erlebnis noch durch einen 3-D-Effekt intensivieren. Für die notwendige Qualität sorgen technisch ausgefeilte Kamerasysteme wie Odyssey von
Google und GoPro, die bislang allerding nur ausgewählten Professionals zur Verfügung stehen. Mithilfe von Googles VR-Plattform Jump lassen sich die Videos dann in ein 360-Grad-Video umwandeln. Dass
Facebook der neuen Technologie im September 2015 endlich die Türen öffnete, wird die Entwicklung sicher weiter beschleunigen.

Wellenreiten und Campusbesuche
Für Aufmerksamkeit rund um den Launch der neuen Funktion sorgten die Produzen-ten von Star Wars. Noch im September stellten diese ihr erstes 360-Grad-Video ein, um die neue Episode The Force Awakens zu bewerben. Bislang sechseinhalb Millionen Aufrufe belegen den Erfolg und zeigen, wie faszinierend viele Menschen das Eintauchen in die virtuelle Realität finden. Auch das exklusiv für Facebook gedrehte Video Tahiti Surf des Kameraherstellers GoPro zeigt die Möglichkeiten der neuen Technologie und erzielte in kürzester Zeit mehr als fünf Millionen Aufrufe. Samsung Österreich sprang ebenfalls auf den Zug auf und ließ im Rahmen seiner Kampagne Launching People eines der Werbevideos in 360 Grad drehen. Doch auch für kleinere Kampagnen und die Vermittlung von informationslastigen Inhalten eignen sich 360-Grad-Filme. Das beweist die von Ketchum Pleon betreute Länderübergreifende Hochschulmarketingkampagne „Mein Campus von Studieren in Fernost“: Noch bis Ende 2015 ermöglicht die Virtuelle Campustour Studieninteressierten Einblicke in 29 ostdeutsche
Hochschulen – so, als wären sie selbst vor Ort. Studierende der jeweiligen Hochschulen führen durch die Filme, zum Beispiel in Jena und Mecklenburg-Vorpommern.

Ausprobieren lohnt sich
Für die Kommunikation tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Naheliegend ist die Nutzung von 360-Grad-Filmen für all jene Unternehmen, Verbände und Institutionen, die im Rahmen von Kampagnen Erlebnisse, Veranstaltungen und Orte in den Mittelpunkt rücken wollen oder ihr digitales Storytelling um ein weiteres Format erweitern wollen. Mithilfe der neuen Technik ermöglichen sie ihrer Zielgruppe, sich virtuell mitten ins Geschehen zu begeben – das erhöht Glaubwürdigkeit und Authentizität und verschafft den Nutzern das Gefühl, hautnah dabei zu sein und ihren Blickwinkel selbst bestimmen zu können. Diese neue Freiheit für die Zuschauer bedeutet freilich auch, dass – anders als bei herkömmlichen Filmen – seitens der Absender und Produzenten nicht alles per Skript vorgegeben und beim Dreh kontrolliert werden kann. Das muss es aber auch nicht. Schließlich geht es bei 360-Grad-Filmen weniger um die Produktion von Hochglanz-Werbespots als vielmehr darum, authentische Einblicke zu geben. Sicher, bis zum endgültigen Durchbruch sind noch ein paar Hürden zu meistern. Zum Beispiel verbrauchen viele 360-Grad-Filme noch ein immenses Datenvolumen, was die mobile Nutzung stark einschränkt. Doch anders als in den 1990er-Jahren überwiegen heute die Vorteile. Und abgesehen von der noch teuren Kameratechnik und dem aufwendigen Schnitt lassen sich 360-Grad-Filme relativ kostengünstig ohne viel Personal drehen.

Die Besonderheiten beim Dreh von 360-Grad-Filmen:
1. Kein „hinter der Kamera“: Das Produktionsteam kann sich nicht wie gewohnt hinter der Kamera aufhalten, um den Dreh mitzuverfolgen, da alles im Umfeld der Kameras aufgenommen wird. Es empfiehlt sich, das Team entsprechend klein und flexibel zu halten.

2. Eingeschränktes Live-Monitoring: Da das Team nicht unmittelbar den Dreh beobachten kann und parallel mit mehreren Kameras gedreht wird, entstehen besondere Herausforderungen beim Monitoring. Häufig lässt sich erst nach dem Dreh mit Sicherheit feststellen, ob Video und Audio korrekt aufgenommen wurden. Gegebenenfalls sollten also Nachdrehzeiten einkalkuliert werden.

3. Vielfaches an Datenmenge: GoPro Odyssey nutzt beispielsweise 16 parallel geschaltete Kameras, daher ist das 16-Fache an Rechnerleistung für die Bearbeitung notwendig. Zusätzlich nimmt das Stitching – das Zusammenstellen der einzelnen Kameraaufnahmen zu einem Gesamtfilm – Zeit und Rechnerleistung in Anspruch.

4. Variierende Kosten: Die Anschaffung der Kamera ist der größte Kostenfaktor mit rund 15.000 US-Dollar (GoPro Odyssey). Die Produktion des Films selbst variiert, wie auch bei anderen Produktionen, je nach Länge und Qualität des Films und Größe des Kamerateams beziehungsweise der Crew. Ein einfacher zweiminütiger Film in 360-Grad-Technik ist – ohne Technikkosten – bereits ab
2.000 bis 3.000 Euro aufwärts realisierbar.

 

@Vera Büttner / @Sarah Reuter
Vera Büttner, Account Director, und Sarah Reuter, Senior Account Executive, vom Standort Berlin
sind von den Chancen, die 360-Grad-Videos für Kampagnen bieten, überzeugt. Zusammen mit
den Partneragenturen Interone und CraftWork haben sie für die Länderübergreifende Hochschulmarketingkampagne „Mein Campus von Studieren in Fernost“ die Virtuelle Campustour
zum Leben erweckt.