Der Stuttgarter Standort zieht um. Wir brauchen Raum. Raum für unsere Möbel, die IT, die Ordner und was sich sonst im Laufe der Zeit angesammelt hat. Und Raum für unsere Kreativität. Klingt hip und agenturig, ist aber weit mehr als das. Ich bin davon überzeugt, dass Agenturen, die ihren Mitarbeitern diesen Raum nicht bieten, langfristig nicht erfolgreich sein können.

Wie wichtig das richtige Umfeld für Kreativität und Innovation ist, beweist die Praxis: Wie oft sitzen wir in Brainstromings und müssen den Raum verlassen, weil uns dort nichts einfällt? Und warum klappt das dann meist auf der Wiese, beim Gang um den Block oder morgens unter der Dusche? Ich meine: Weil wir dort Raum für unsere Kreativität haben.

So richtig bewusst wurde mir das offen gestanden erst durch einem Beitrag von Andreas Cem Vogt im Begleitband zur re:publica 2013 (ganz großes Danke für die Inspiration zu diesem Text). Dort findet sich ein Zitat von Tina Selig, Professorin für Kreativität an der Standford University, das die Korrelation von Raum und Verhalten beschreibt: “Jeder Raum hat unterschiedliche Verhaltenskodizes: In einem Kino, im Konzert, am Esstisch, bei Meetings, im Warteraum eines Arztes – in all diesen Räumen werden von uns bestimmte Verhaltensmuster abverlangt.”

Wir folgen demnach bestimmten Verhaltensmustern in bestimmten Raumkonstellationen, unser Umfeld beeinflusst unser Denken und Handeln. Auf der Suche nach dem Kreativraum müssen wir uns folglich nur überlegen, wann und wo wir in unserem Leben am kreativsten waren und dieses Umfeld rekonstruieren? In der Uni war es sicher nicht. Da war nicht nur kein Platz für die Kreativität, sondern auch keiner für die Beine. In der Schule waren viele unserer Mitstreiter sehr kreativ, aber vermutlich eher aus Gründen der Prokrastination, als der Wertschöpfung. Eine Mini-Umfrage unter Kollegen hat bestätigt, dass es bei vielen vor allem im Kindergarten richtig gut lief. Da gab es keine feste Sitzordnung, bewegliche Tische, einen großen Kessel Buntes und allerhand Inspiration. Aus Kieselsteinen wurden Cowboytrails, aus Sandkästen Vulkane und aus rumliegenden Ästen sprechende Tiere. Die Umgebung war farbenfroh und spielerisch gestaltet und darauf ausgelegt, unsere Kreativität zu fördern.

Zum Glück haben wir Profis in unseren Reihen, die verstehen, wie der Spielplatz zu uns ins Büro kommt. Und ich freue mich auf den Kreativkonfi und die weißen Rallystreifen im Flur. Auch auf das Arbeitsplatzwichteln.

Aber: Was alle Spielplätze und Kindergärten gemein haben, gilt auch für uns: das bloße im Sand Sitzen macht noch keine kreative Runde. Wir müssen auch jeden Tag aufs Neue Lust haben, zu Spielen.