Mein Wochenrückblick: Lügenpresse // Vice Media // Google & Medien // Sommermärchen // Transparency International // Börsenblatt // Netzneutralität // SMS Sharing // 6 x Shortlist

Journalismus

#1 Umfrage: 44 Prozent teilen Pegida-Meinung zu „Lügenpresse“
Eine repräsentative Forsa Umfrage zu Pegida parolen und fand heraus, dass fast die Hälfte der Deutschen (44%) glaubt Medien seien „von ganz oben gesteuert“ und würden „geschönte und unzutreffende Meldungen“ verbreiten. Andere Positionen zu Themen wie Islam oder Flüchtlingen fanden weitaus weniger Zustimmung. Für deutsche Medien, wie den Spiegel, der die Umfrage in Auftrag gab, ist das ein Schlag ins Gesicht. Offenbar fehlt das Vertrauen in objektiven Journalismus.

#2 Vice plant Expansion in Europa
Das kanadische Medienunternehmen Vice, bekannt durch unkonventionelle Dokumentationen und redaktionellem Fokus abseits des Mainstreams, wird ein immer ernster zu nehmender Player im globalen Mediengeschäft. Nach eigenen Aussagen will man in Europa eine große Expansion inklusive Kooperationen mit etablierten Fernsehkanälen und IPTV Anbietern wie Netflix und Amazon antreiben. Zuletzt hatte das Unternehmen erfolgreiche Ableger wie Vice News, Munchies und Noisey auf eigenen Onlie-Plattformen gestartet aber auch immer wieder Serien an etablierte Sender wie HBO oder RTL II verkauft.

#3 Google’s Medien-Innovationsfonds
Mit der „Digital News Initiative“ investiert Google insgesamt 150 Millionen Dollar in die Zukunft des digitalen Journalismus. Europäische Startups und bestehende Verlage können sich für „innovatives, digitales Nachrichtengeschäft“ Fördermittel beschaffen. FAZ, Zeit und Spiegel sind schon Mitgleider, 30 weitere Verlage kündigten ihre Mitarbeit an. Nur Springer stellt sich gegen eine Teilnahme, die rechtlichen Querelen mit Google wegen des eingeforderten Leistungsschutzrechts sind wohl zu groß.

 

Krisenkommunikation

#4 Ketchum Pleon Umfrage zum Sommermärchen
Die Spiegel Fakten sind Löchrig, die DFB Erklärungen noch fragwürdiger. Bei der Schlacht um die Deutungshoheit über das Sommermärchen 2006 gibt es noch immer keine Gewinner. Grund genug mit einer repräsentativen Umfrage herauszufinden was die Deutschen denn nun denken. Die Ergebnisse sind erstaunlich: 55 Prozent halten die WM2006 für gekauft trotzdem glauben nur 23 Prozent, dass das Image des „Sommermärchens“ dadurch getrübt werden. Im Gegensatz dazu sehen 66 Prozent das Image von Franz Beckenbauer gefährdet, egal ob an den Vorwürfen etwas dran ist oder nicht.

#5 Transparency International wird Vertuschung vorgeworfen
Die Organisation, die sich dem weltweiten Kampf gegen Korruption verschrieben hat, ist entgegen dem Namen intransparent. Das bemängelt zumindest ein Investigativ-Team von Handelsblatt und Correct!v. Konkret geht es um die Finanzierung der hauseigenen Korruptionskonferenz (IACC): Die Buchführung sei geschönt, Deutsche und Brasilianische Steuermittel sollen unrechtmäßig genutzt worden sein, Sponsorengelder seien nicht richtig in Büchern aufgelistet. Transparency räumt mittlerweile ein, dass die Finanzierung nicht transparent dargestellt wurde, gibt aber nur unzureichende Begründungen. Tatsächliche Offenlegung der Finanzen gibt es auch nicht. Die Organisation sollte besser Haltung zeigen und Ungereimtheiten klar aufdecken, ihre Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.

#6 Börsenblatt druckt homophobe Anzeigen
Gleich zwei Anzeigen im Börsenblatt erhitzten vergangene Woche die Gemüter. Beide bewarben Bücher, beiden wird vorgeworfen sie seien homophob. Die Namen „Die große Verschwulung” und „Homosexualität gibt es nicht“ sprechen für sich. Öffentliche Protestbriefe der Magnus-Hirschfeld-Bundesstiftung und dem Quer-Verlag stellten die Mitgliedschaft des Magazins im Börsenverein in Frage und forderten eine Entschuldigung. Die kam auch glatt von Chefredakteur Torsten Casimir. Werbung sei zwar im Sinne der meinungsfreiheit hinzunehmen, trotzdem wäre ihm wohler wenn sein Blatt keine Verbreitungshilfe für die Hass-Reden gegeben hätte.

 

Digitales & Social Media

#7 Keine Netzneutralität in der EU
Das EU-Parlament hat das umstrittene Gesetz zur Netzneutralität beschlossen. Umstritten, weil entgegen des Namens nun Ausnahmen vorgesehen sind mit denen Internetanbieter durchaus drosseln, blockieren oder bestimmte Datenpakete bevorzugen dürfen. Kritiker fürchten so ein Zwei-Klassen-Internet, das unter anderem Startups und NGOs hemmt, andere sehen damit nur eine konsequente Folge eines eh schon durch und durch kommerzialisierten Raumes. Besonders interessant ist, dass gleichzeitig ab 2017 alle Roaming-Gebühren für Handynutzung im Ausland entfallen. Interessant, weil viel weniger einschneidend aber auch leichter zu verstehen und dementsprechend verträglicher darüber zu Berichten. Hier hat jemand in der Gesetzesschreibung die PR schon mitgedacht.

#8 Social Sharing ist analoger als man denkt
Buzzfeed Artikel werden bis zu 4 mal mehr über SMS geteilt, als über Twitter oder Facebook. Das fand eine Untersuchung des Blogs Niemanlab heraus. Entgegen der eigenen Erwartungen zeigte sich, dass der kaum anderswo benutzte „Via SMS teilen“ Button die am meisten genutzte Funktion zum Social Sharing ist. Auf Platz zwei und drei folgen Twitter und Emails. Facebook war nur die viermeistgenutzte Option.

 

KP Flurgeflüster

#9 Shortlist beim Deutschen PR-Preis: 6 x KP
Die Shortlist des Internationalen Deutschen PR-Preis 2015 gibt allen Grund zum Jubeln. Ketchum Pleon konnte gleich sechs Nominierungen Verbuchen. Keine Agentur kann mit mehr Nominierungen aufwarten. Insgesamt sind es drei unserer Projekte die auf den verschiedenen Shortlists vertreten sind: Unsere Kampagnen #WelcomeDahoam für den G7 Gipfel der Bayerischen Staatskanzlei, das 2-Euro T-Shirt für Fashion Revolution und unsere Whatsapp-Studieninformation für die Hochschulen in Fernost. Mehr Infos findet ihr auf dem Blogeintrag.

 

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